Hoch werden sie gehandelt, die Figuren, Vasen und Geschirre aus echtem, alten Meissener Porzellan. Dabei gerät oft in Vergessenheit, dass dessen Erfindung nicht zielgerichtet erfolgte, sondern einem Zufall zu verdanken ist. Sozusagen als Abfallprodukt einer Forschung, die eigentlich einem ganz anderen Zweck diente.

 

Wir schauen zurück auf den Beginn des 18. Jahrhunderts. August der Starke, Kurfürst von Sachsen, hielt Hof und führte ein derart prachtvolles Leben, dass es zunehmend schwerer wurde, die dafür nötigen Mittel zu beschaffen. Da hörte er von einem Alchemisten, der sich zutraute, ein Verfahren zu entwickeln, um in chemischer Reaktion aus einfachen Basismaterialien Gold herzustellen. Das schien die Rettung für die gebeutelte königliche Schatzkammer zu sein. Also ließ der den Chemiker namens Johann Friedrich Böttger kurzerhand einkerkern, damit seine weiteren Forschungen im Geheimen durchgeführt würden und allein ihm zugute kämen.

 

Mit der Aussicht, im Erfolgsfall reich belohnt zu werden, machte sich Böttger in der Jungfernbastei an die Arbeit. Dass Gold ein Basiselement des chemischen Periodensystems (Elementsymbol „Au“, Ordnungszahl 79) ist, das sich nicht so einfach aus anderen Materialien zusammenfügen läßt, war den Gelehrten der damaligen Zeit noch nicht klar. So tüftelte und experimentierte Böttger emsig herum. Das Ergebnis war mitnichten Gold, vielmehr entwickelte er 1707 ein Verfahren zur Herstellung von rotem Steingut, das als Böttgersteinzeug oder Jaspis-Porzellan bezeichnet wurde. Ein Jahr danach gelang ihm auch die Erfindung des weißen, europäischen Porzellans.

 

August der Starke war nicht etwa enttäuscht, sondern vorausschauend genug, zu erkennen, welche Möglichkeiten das neue Verfahren eröffnete. Er patentierte es 1710 und sorgte für höchste Geheimhaltung. Nur wenige ausgewählte Spezialisten wurden hinzugezogen, um den Herstellungsprozess zu optimieren. Ein wesentlicher Schritt war die Beifügung des Kaolins, eines weißen Gesteins, durch das das sonst graue Porzellan vollständig weiß wurde. Nachdem man geeignete Glasuren und Dekorfarben entwickelt hatte, wurde zur gewerblichen Herstellung eine Manufaktur gegründet.

 

In der Albrechtsburg entstand 1710 die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur“. Nicht umsonst wählte man ein gut gesicherte Festung. Die Herstellungsgeheimnisse sollten notfalls mit Waffengewalt geschützt werden können. Bis 1863 wurde ausschließlich hier produziert. 1806 ging das Unternehmen aus königlichem in staatlichen Besitz über. Ab 1818 war die offizielle Firmenbezeichnung „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen“. Die DDR führte das Unternehmen als volkseigenen Betrieb fort. 1991 wurde daraus die „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH“ des Freistaates Sachsen.

 

Meissener Porzellan, ob Nippes, Salatschüssel oder Mokkatasse,  hat noch heute weltweit zahlreiche Liebhaber. In vielen vornehmen Esszimmern gehört Meissener Porzellan ganz einfach dazu. Seltene Stücke  erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Die gekreuzten Schwerter am Boden der jeweiligen Stücke gelten als eines der ältesten und wertvollsten Markenzeichen und lassen Sammlerherzen höher schlagen.